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Selen - Trends der Futtermittelindustrie

Aufgrund der immer wiederkehrenden Empfehlungen, nach Blutproben Selen zuzufüttern, habe ich diese Auszüge aus meiner Facharbeit "Selen" für das BPHC - Barhufinsitut für ganzheitliche Barhufbearbeitung veröffentlicht. Hierfür heran gezogen habe ich sämtliche Studien, die öffentlich zugänglich waren. Es ist ein kleiner Auszug aus einer komplexen Thematik!

Dabei geht es nicht darum, die Selensupplementierung zu verteufeln, sondern darum zu sensibilisieren, dass dieses Gebiet noch weitgehend unerforscht ist und wir mit dem Trend Selenfütterung unsere Pferde immer wieder in einen toxischen Bereich bringen. Insbesondere im Hufhorn macht sich eine übermässige Selenfütterung sichtbar. Viele Industriefuttermittel besitzen schon toxische Selenwerte in ihrem Grundfutter. Besitzer sind zumeist verzweifelt aufgrund der Symptomatiken. Nach dem Weglassen der Industriefuttermittel beheben sich die Probleme meist von alleine.

Da der Selenmangel erst vor einigen Jahren in der Pferdefütterung aufgetaucht ist, ebenso viele Wohlstandserkrankungen, die vorher noch unbekannt waren, sowie Selenmängel keine sichtbaren Probleme verursachen, ist es eher anzuraten, Abstand von der Zufütterung zu machen und Blutproben nicht zu sehr zu vertrauen.
Bei akuten Problemen ist das hinzuziehen eines Pferdefütterungsexperten eher angebracht als den Katalogen der Futtermittelindustrie zu glauben.
Grundsätzlich sind unsere Pferde überversorgt...







 

 

Einleitung

Für die Gesundheit sind Spurenelemente entscheidend und verantwortlich für viele Funktionsabläufe im Körper.
Ihre enormen Auswirkungen auf diesen treten erst zu Tage, wenn Mangelerscheinungen eintreten oder teils, wenn es zu einer Überversorgung kommt. 
In dieser Arbeit steht das Spurenelement Selen im Vordergrund.

 

Spurenelement Selen
 

Spurenelemente sind wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden. Mangelerscheinungen oder Überdosierungen führen zu Unwohlsein und Krankheiten.  Aufgrund des Namens ist es definiert, dass Spurenelemente nur in winzigen Spuren in unserem Körper vorkommen.  Spurenelemente zählen zu den Mineralstoffen.  Selen ist Bestandteil zahlreicher Enzyme und an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt.

Doch vieles ist in Bezug auf Selen noch unentdeckt, bzw. unerforscht. So weiss bis heute niemand, in welcher Form Selen dem Körper dargeboten werden muss, noch in welcher Menge.
Absorbationsmechanismen und Stoffwechselvorgänge sind im gleichen Zuge unerforscht, bzw. liegen keine gesicherten Daten vor.  

Ein Selenmangel beim Pferd zeigte eine Schwächung der Infektionsabwehr, Fruchtbarkeitsstörungen und Leistungsschwäche, sowie Störungen der Muskelfunktion.  Lahmheiten, steifer Gang und Muskelschmerzen stehen hier an oberster Stelle. 

Bei einer Überdosierung von Selen (schon ab über 2mg Selen pro kg Trockenmasse) sind Vergiftungserscheinungen wie Lahmheiten, Haarausfall an Mähne und Schweif, sowie Deformationen der Hufkapsel bis hin zum Ausschuhen zu verzeichnen. Zu beachten ist, dass der angegebene Gehalt von bis zu 2,0 mg Se/kg TS von der GfE und dem NRC schon als Schwellenwert zur chronischen Toxizität beurteilt wird. An dieser Stelle wird Schwefel verdrängt und die Bildung von Keratin verhindert.
Es kommt zu Problemen an der Hufkapsel.

 

 

Der Bedarf und die Fütterung

Die Schwelle zur optimalen Versorgung bis zur Vergiftung ist bei Selen sehr eng. 
 

Nachgewiesen wurde, dass es keinen Unterschied im Plasmaselengehalt gab zwischen einer mit 0,1 mg Se/kg TS und einer mit 0,2 mg/kg TS gefütterten Testgruppe, weswegen 0,1 mg Se/kg TS für ausreichend angesehen werden. Meyer empfiehlt hier eine Gabe von 2,5 µg Se/kg LM zur Deckung des Erhaltungsbedarfs und des Bedarfs von Reitpferden.  Die Zufütterung von Selen wurde empfohlen, da aufgrund der Selenmangelgebiete keine ausreichende Deckung gesehen wurde. In einer Studie, die 2001 von Frank durchgeführt wurde, stellte dieser aber keine Mängelzustände fest, auch trotz sehr bewusster, niedriger Zufütterung. 

In verschiedenen Studien stellte man aber fest, dass der Selengehalt im Weidegras, Silage und Heu stark schwankt, innerhalb der Jahreszeiten und auch regional gesehen.  Im Herbst wurden, im Vergleich zum Frühjahr, 10-fach höhere Gehalte im Weidegras festgestellt bei einer Studie.  Der Selengehalt im Boden besitzt keine Auswirkung auf den Selengehalt der Tiere.  Die Konzentration im Boden ist daher kein guter Indikator für den Selengehalt der darauf wachsenden Pflanzen, bzw. für die Selenversorgung der dort weidenden Tiere. 

Auch ist es schwierig, eine genaue Aussage zum Bedarf von Selen zu machen, da verschiedene Faktoren hier mit einspielen. Die Art der chemischen Bindung, die Wechselwirkungen mit anderen Bestandteilen im Körper oder im Futter und die pH-Verhältnisse im Körper des Pferdes sind hier von Bedeutung. Zudem der Vitamin-E-Gehalt, die Fettsäurenzusammensetzung und der Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren. Auch die Aufnahme größerer Eiweiß- und Sulfatmengen steigert den Bedarf an Selen. Weiter stellen die Konzentrationen an Eisen, Kupfer, Mangan, Vitamin C und Vitamin A in der Ration Einflußgrößen für den Selenbedarf dar.   Jedes individuelle Lebewesen reagiert zudem anders auf die Zu- oder Abnahme von Selen, bzw. stellt eigene Anforderungen an die Zufuhr von Selen, weswegen auch innerhalb eines Bestandes nur vereinzelt Pferde in eine Über- oder Unterversorgung rutschen.  Nach Frank ist es jedoch wohl so, dass erwachsene Pferde erhebliche Unterversorgungen an Selen tolerieren ohne Mangelerscheinungen zu zeigen. 

In einer anderen Studie fand man heraus, dass die Tiere, die anfangs einen niedrigen Selenspiegel aufwiesen, auch nach Supplementierung einen niedrigeren Selenspiegel im Plasma aufwiesen. Gleiches auch für die Pferde mit den höheren Werten. Man geht davon aus, dass jeder Körper das Selen anders reguliert. 

Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik, Veterinärmedizinische Fakultät, Universität Leipzig, vermutet, dass jedoch der Selenbedarf niemals ausreichend gedeckt wird ohne Supplementierung über Mineralfutter, da die meisten Futtermittel (Heu und Gras) laut Ihrer Aussage nicht genügend Selen aufweisen, wobei auch sie ab 2mg/kg TS eine chronische Vergiftung mit Leber und Nierenveränderungen, sowie Bewegungsunlust mit Hufhornveränderungen sieht. 
 

Grundsätzlich wird von wissenschaftlicher Seite heraus empfohlen, eine Bedarfsrechnung zu erstellen.  Jedoch fangen da die Probleme mit den industriellen Futtermitteln an, da auch diese starke Schwankungen aufweisen und man ggf. über- oder unterdosiert Selen zuführt, inbesondere auch wegen der Schwankungen im Grundfutter. Aufgrund der bisherigen vorgestellten Kriterien ist eine Bedarfsrechnung fernab der Realität.  Die Fütterung von Spurenelementen bleibt in dem Zusammenhang komplex und schwierig. 
 

 

Selen im Blut und im Körper
 

Studien zufolge bei Ratten, welche mit Selen über Generationen Mangelernährt wurden, stellten fest, dass eine fast vollständige Entleerung des Seelenpools in Blutplasma, Erythrozyten, Leber, Skelettmuskulatur und Herzmuskel stattfanden. Der Gehalt in Schilddrüse, Hypophyse und Gehirn sank jedoch nur um die Hälfte. Bei einer Supplementierung von kleinen Selenmengen, fand man heraus, dass dieses in den Seelenpools mit den geringsten Verlusten eingelagert wurde. 

Bei allen Spezies ist jedoch eine gleiche Selenkonzentration der Gewebe zu verzeichnen.

Die Skelettmuskulatur beinhaltet ungefähr 40 %, die Leber ungefähr 30 % und jedes der restlichen Organe weniger als 10 % des Gesamtkörperselens.

 

In einer weiteren Studie versuchte man heraus zu finden, wann eine Vergiftung im Blut nachweisbar wäre. Bei steigender Supplementierung stieg der Plasma- bzw. Serumselengehalt, aber bei doppelter und dreifacher Menge stets im Referenzbereich.
Es bleibt aus, bei welcher Menge Selen eine toxische Menge im Blut nachweisbar ist.

 

Dr. Christina Fritz schreibt, dass Selen eine wichtige Rolle beim Blutzuckerspiegel inne hat. Ein Selenmangel war vor 50 Jahren noch unbekannt, doch mit den Reihenuntersuchungen bei Rindern kam man zu dem Schluss, dass ein Selenmangel weit verbreitet sei. Daraufhin wurden die Futtermittel zugesetzt mit Selen. Sie sieht hier einen Grund für die Wohlstandserkrankungen unserer Pferde. Es ist allerdings auch beim Menschen schon nachgewiesen, dass ein zu hoher Selengehalt zu einer Insulinresistenz führen kann. 

Zudem löst er Leberschäden aus, die durch die Einlagerung von Selen passieren können. Von hier aus ist der Weg nicht weit zu einer Hufrehe. 

 
 

Messen von Selen


Den Selengehalt im Blut zu überprüfen ist sehr schwer, da die Blutbahnen als Transportbahnen fungieren und das Selen hauptumfänglich in den Organen/ in der Muskulatur seinen Platz hat. Sollte Selen in irgendeiner Weise in an einer anderen Stelle des Körpers gebraucht werden, wird es durch die Blutbahnen dorthin transportiert. Eine Aussage zum Selenstatus im Körper kann man jedoch nicht erhalten.

Zudem können Infektionsanfälligkeiten das Blutbild täuschen, da Selen an Protein gebunden ist, welches bei Leberfunktionsstörungen und Entzündungsreaktionen sinkt. Es wird dann ein falscher Selenmangel angezeigt.
 

 

Zusammenfassung 
 

Selen ist ein essentieller Nahrungsbestandteil. Viele biologische Funktionen verfügen über Selen, welche aber absolut unzureichend bisher erforscht sind. Enzyme und Proteine brauchen Selen.  Ein Selenmangel ist meist ohne Symptome. Eine Selenvergiftung ist jedoch schnell hervorgerufen und mit weitreichenderen Folgen behaftet als ein Mangel. Erste Anzeichen sieht man oft schon im Hufhorn. Eine Rationsberechnung kann genauso ungenau sein wie eine Blutprobe, weswegen besser davon abzusehen ist, ein Pferd zusätzlich mit Selen zu versorgen. Ebenso ist davon abzusehen, höhere Selengaben im Fertigfutter zu akzeptieren, solange das Grundfutter nicht engmaschig über das ganze Jahr hinweg geprüft wird.  Viele Krankheiten stehen jetzt schon im Verdacht, durch die hohe Selenzufuhr ausgelöst zu werden. Jedoch stehen an dieser Stelle wichtige Studien aus.
Vor allem fehlt es oft noch an Aufklärung bei Tierärzten, wie auch bei Pferdebesitzerin, die unbedarft zufüttern. 

 

 

Quellen u.a.:

 

  • Untersuchungen zur Selenversorgung von Vollblutstuten und deren Fohlen während

        Trächtigkeit, Laktation und Aufzucht - Silke Schönthaler 1998

  • Dorothea Weber - Überblick über die wichtigsten Laborparamter

  • 4. Tierärztekongress Leipzig 2008 - Schwerpunkt  Pferd

  • EMS, Insulinresistenz, Cushing - Die modernen Zivilisationskrankheiten

        von Dr. Christina Fritz

  • Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie zur Wirkung von Vitamin E und Selen 

        auf die Muskulatur von Sportpferden  - Alexandra Freismuth 2004

Ein kleiner Einblick aus meiner Praxis bei nachweislicher (!) Selenvergiftung

1. Rillenbildung/Hufdeformation

2., 3. und 4. typische Risse

5. Rillenbildung/Hufdeformation

6. Kronrandentzündungen